Émilie Busquant

Biografie
Émilie Busquant (arabisch: إميلي بوسكان), geboren am 3. März 1901 in Neuves-Maisons, Lothringen, und gestorben am 2. Oktober 1953 in Algier, war eine französisch-algerische Anarchosyndikalistin, Feministin und antikoloniale Aktivistin. Sie stammte aus einer neunköpfigen Arbeiterfamilie und wuchs in einem von sozialen Kämpfen geprägten Umfeld auf: Ihr Vater, ein Stahlarbeiter und Gewerkschaftsmitglied, führte sie schon früh an libertäre Ideen und politischen Aktivismus heran. Anfang der 1920er-Jahre zog sie nach Paris und arbeitete in einem Kaufhaus, wo sie Messali Hadj, den späteren Begründer des modernen algerischen Nationalismus, kennenlernte. Diese Begegnung markierte den Beginn einer tiefen Liebesbeziehung und gemeinsamen aktiven Partnerschaft. Émilie Busquant lebte mehrere Jahre mit Messali Hadj in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, in einer Zeit, in der das Zusammenleben ohne Trauschein unter der Arbeiterklasse weit verbreitet war. Das Paar hatte zwei Kinder, Ali und Djanina. Tief engagiert im politischen Kampf ihres Partners, beteiligte sie sich aktiv am Aufbau der ersten algerischen Unabhängigkeitsbewegungen, insbesondere des Nordafrikanischen Sterns und später der Algerischen Volkspartei. Während Messali Hadjs zahlreicher Verhaftungen und Exilaufenthalte fungierte sie oft als seine politische Verbindungsperson, schrieb Briefe, organisierte Unterstützung und prangerte öffentlich den französischen Kolonialismus an. Als überzeugte Feministin setzte sich Émilie Busquant für eine universalistische Vision von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit ein. Sie kämpfte für die Emanzipation der kolonisierten Völker sowie für die Rechte von Arbeitern und Frauen. Ihr Engagement reichte über nationale Grenzen hinaus: Sie sah den algerischen Kampf als einen umfassenderen menschlichen und sozialen Kampf. Sie ist außerdem dafür bekannt, in den 1930er Jahren – laut mehreren Historikern und Familienberichten – die erste algerische Flagge nach einer Idee ihres Mannes Messali Hadj entworfen zu haben; diese Flagge wurde später zum Nationalemblem des unabhängigen Algeriens. Sein Tod im Jahr 1953 löste in Algier tiefe Trauer aus. Ein großer Trauerzug begleitete seinen in die algerische Flagge gehüllten Sarg. Messali Hadj, der damals unter Beobachtung der französischen Behörden stand, konnte der Beerdigung nicht frei beiwohnen. Heute gilt er als einzigartige Figur der Völkerverständigung, als Symbol für politisches Engagement, das auf Gerechtigkeit, Gleichheit und Antikolonialismus gründet.

